Pollen - nützlich für den Menschen

Was ist Pollen?  

Pollen oder Blütenstaub, im Fachhandel auch Blütenpollen genannt, sind die männlichen Keimzellen von Blütenpflanzen. Pollen dient als eine Hauptnahrung für das Bienenvolk (Eiweißquelle, vornehmlich für Jungbienen zur Versorgung ihrer Drüsen, die Futtersaft, Fermente und Wachs erzeugen).

Aus der Geschichte

In den antiken Hochkulturen galt PolIen als Bestandteil der Götterspeise Ambrosia, die den Göttern des Olymp Unsterblichkeit verlieh. Die Wikinger vollbrachten ihre beispiellosen körperlichen Leistungen während monatelanger Seefahrten nicht zuletzt dank dieser "Wunderspeise". In großen Krügen nahmen sie eine Mischung aus Honigwaben und Blütenstaub auf ihre weiten Reisen mit und schützten sich so vor Mangelkrankheiten.

 

Botanik

Das Wort "Pollen", korrekt "der Pollen", stammt aus dem Lateinischen, bedeutet sehr feines Mehl" (Blütenstaub) "und bezeichnet, so ein modernes Lexikon, "die Gesamtheit der Pollenkörner einer Blüte." Jedes Pollenkörnchen stellt eine Pflanzenzelle dar, die das für die Befruchtung erforderliche Sperma, das männliche Fortpflanzungselement, enthält. Pollenkörnchen sind, neben Eizellen in Fruchtknoten die Träger der Erbmasse bei höheren Pflanzen. Das einzelne Pollenkorn ist winzig; um es zu sehen, braucht man ein stark vergrößerndes Mikroskop. Von der größten Art gehen ca. 14000 auf ein Gramm, aber es gibt viel, viel kleinere Pollenkörner, von denen beispielsweise erst 300000 ein Gramm ausmachen. Eine Löwenzahnblüte weist nach Schätzungen 240000 Pollenkörnchen auf, während eine Maispflanze sogar 50 Millionen Pollenkörnchen enthält. Unendlich vielgestaltig ist auch die Form dieser Pollenkörner. Trotzdem Pollen so klein ist, sorgen seine Inhaltsstoffe bei der Vermehrung für das absolut schnellste Wachstum, welches man in der Natur überhaupt kennt.

 

Zusammensetzung 

 

Die Wissenschaft kennt heute bereits über 100 Bestandteile der Blütenpollen. Ähnlich wie beim Honig kann es auch beim Pollen erhebliche Unter- schiede in der Zusammensetzung, abhängig vor allem von der Herkunft, geben. Der Zuckergehalt liegt mit 25-50 Prozent deutlich niedriger als beim Honig. Dafür ist Pollen reich an hochwertigem Eiweiß (7-35%), das vor allem alle lebenswichtigen (essentiellen) Aminosäuren enthält, die der Körper unbedingt von außen erhalten muss. Der Gehalt an essentiellen Aminosäuren in 100 g Pollen entspricht dem von 500 Gramm Rindfleisch oder 7 Eiern; 30 Gramm Pollen decken vollständig den Tagesbedarf an diesen Eiweißbausteinen. Somit eignet sich Pollen auch sehr gut zur Nahrungsergänzung für Vegetarier. Interessant sind für 4ie Ernährung auch die Fette im Pollen, die 3-20 Prozent ausmachen. Sie bestehen nämlich zu 43 Prozent aus den 3 wichtigsten hoch ungesättigten Fettsäuren Linol-, Linolen- und Arachidonsäure, die als lebensnotwendig gelten. Unter anderem wirken sie bei der Regulierung des Fettstoffwechsels, als Schutzfaktor für Herz und Gefäße, beim Aufbau von Enzymen und Abwehrstoffen mit.  

Im Gegensatz zum Honig ist Pollen reich an Vitaminen. Insbesondere enthält er die Vitamine der B-Gruppe, Provitamin A, die Vitamine C, D und E. Auch Mineralstoffe und Spurenelemente kommen ausreichend im Pollen vor, um die Ernährung zu ergänzen und auch bei erhöhtem Bedarf für ausreichende Zufuhr zu sorgen. Unter anderem wies man Kalium, Calcium, Magnesium, Mangan, Natrium, Phosphor, Chrom, Eisen, Kupfer und Schwefel darin nach. 

Neben diesen Nähr- und Vitalstoffen finden sich im Pollen noch einige spezielle Wirkstoffe, die für seine Wirkungen wichtig sind, und zwar: Antibiotische Stoffe, Enzyme, Flavonoide und Phytosterine. Außerdem fördert Pollen die Bildung von Gammaglobulinen. Dies sind Eiweißverbindungen, die der Immunabwehr dienen.  

Die bekannte Bienenforscherin A. Maurizio hat 40 Pollenarten nach ihrem Wert für Bienen untersucht, und hat davon 15 für gut, 18 für mittel und 7 für schlecht empfunden

Gut: Krokus, Weide, Obst, Raps, Rosskastanie, Edelkastanie, Hederich, Ackersenf, Mohn, Weißklee, Rotklee und Heide

Mittel: Hasel, Erle, Pappel, Buche, Eiche, Ulme, Ahorn, Löwenzahn, Kornblume und Hahnenfuß.

Schlecht: Alle Nadelbäume. Bienen, die mit Fichten- und Kiefernpollen aufgezogen werden, sind so kurzlebig, wie wenn sie mit bloßem Zucker aufgezogen wären, haben unterentwickelte Drüsen und können keine Brut aufziehen.

 

Gewinnung:

 

Die Bienen kommen beim Aufsaugen des Nektars aus den Blüten mit dem männlichen Blütenstaub in Berührung und übertragen ihn teilweise zur Bestäubung auf die weiblichen Blütennarben. Den restlichen Pollen, der sich in einer Bürste am rechten Hinterbein gesammelt hat, transportieren sie mit einer Art "Kamm" zum linken Hinterbein; von dort wird er mit einem besonderen "Pollenschieber" auf die Außenseite des Beins geschoben und mit dem Mittelbein zu einem "Pollenhöschen" zusammengepresst.

Mit Honig, den die Bienen aus dem Stock im Honigmagen mitbringen (oder mit Nektar) kleben sie den Pollen so fest an die Beine, dass die "Höschen" in den Stock geflogen werden können. Dort wird der Pollen als Vor- rat eingelagert. Ein Höschenpaar enthält etwa vier Millionen Pollenkörnchen. Im Bienenstock werden die Pollen dann durch Milchsäuregärung zum haltbaren Bienenbrot umgewandelt.  

Pollen dient den Bienen zur Aufzucht der Brut mit Futtersaft, zur Herstellung von Enzymen und von Bienenwachs. Pro Flug kann eine Arbeitsbiene lediglich ca. 15 mg Blütenstaub sammeln. 1 kg Pollen = 70000 Ausflüge: Der Imker gewinnt den Pollen durch Fallen, die hauptsächlich aus einer Abstreifvorrichtung mit Durchschlupflöchern und einem Sammelkasten mit Drahtgitter bestehen. Wenn die Bienen durch die Löcher schlüpfen, wird ein Teil der Pollenhöschen abgestreift und fällt in den Kasten. Das Drahtgitter darüber verhindert, dass die Insekten den Pollen im Kasten verzehren. Danach muss der Pollen gereinigt und getrocknet werden, wobei er etwa 18 Prozent Gewicht verliert. Da die sehr widerstandsfähige Pollenhaut nur langsam verdaut werden kann, pulverisiert man die Körnchen oft vor dem Abfüllen. Zwar kann der Verdauungssaft durch kleine Poren eindringen und die Bestandteile innen auflösen, die dann durch die Poren wieder austreten (deshalb ist hier gutes Kauen besonders wichtig), aber noch besser verwertet wird Pollen in aufgeschlossener Pulverform. Fachgeschäfte bieten Pollen in verschiedenen Zubereitungsformen an: in der natürlichen Bällchenform, in Pulverform (mikrofein zermahlen), in Kapseln oder in Granulatform.

Pollen muss in kleinen Gefäßen hermetisch verschlossen und trocken aufbewahrt werden Feuchtigkeit würde Schimmelbildung hervorrufen, was in jedem Falle schädlich ist. Eine Temperatur von 14 Grad Celsius ist für die Aufbewahrung am günstigsten

 

Anwendungsgebiete:

 

Blütenpollen werden beim gesunden Menschen verwendet zum Ausgleich von Ernährungsfehlern (z.B. Vitaminmangel), zur Deckung eines Mehrbedarfs an essentiellen Substanzen (z.B. in Wachstumsphasen von Kindern, während der Schwangerschaft und Stillzeit, bei körperlicher und psychischer Belastung in Schule, Beruf, Freizeit und Krankheit), zur Steigerung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit, zur Vorbeugung gegen vorzeitiges Altern und zur Erhöhung der Widerstandsfähigkeit gegen Infektionskrankheiten (z.B. Erkältung, Grippe).  

Belegt sind positive Wirkungen von Blütenpollen auch bei Krankheitszuständen: bei Kraftlosigkeit oder Schwäche im physischen und psychischen Bereich, bei Appetitlosigkeit und bei Magersucht (Anorexie).  

Pollen verbessert auch die Funktion der Darmflora. So wird er bei chronischen Durchfällen und Blähungen eingesetzt. Er wirkt anregend auf das gesamte Hormonsystem des Menschen und hilft gegen die Schwere und Müdigkeit, unter der heutzutage viele Menschen leiden.  

Wichtig ist hierbei die Unterscheidung von Pollen, der von den Bienen gesammelt wird, und Pol1en, der vom Wind getragen frei in der Luft vorkommt. Es gibt einerseits Pflanzen, bei denen die Befruchtung durch die Windbestäubung geschieht (z.B. Birken, Haselnusssträucher, Gräser und Getreide), andererseits sind beispielsweise Obstbäume und Sonnenblumen auf die Insektenbestäubung und insbesondere auf die Hilfe der Bienen angewiesen.

Die so genannte "Hypo - Sensibilisierung" gegen Allergien mit Blütenpollen bei Heuschnupfen ist allerdings nach wie vor umstritten. Grund: Pollenallergien bestehen meist gegen Pollen von Windblütlern. Bienen-Blütenpollen stammen jedoch zur Hauptsache von Insekten bestäubten Blütenpflanzen.

Zur "Hypo - Sensibilisierung" benötigt man Monopollen einer definierten Pflanze. Bei den Blütenpollen-Präparaten handelt es sich um Mischpollen, die durch die Vielfalt ihrer Inhaltsstoffe ernährungsphysiologisch hochwertiger sind als Monopollen. Bei der Einnahme von Blütenpollen oder Blütenpollenpulver besteht durch Inhalation einiger mikroskopisch kleiner Pollenkörner die Gefahr, eine Allergie (Heuschnupfen) erst auszulösen. Allerdings sind nur wenige Menschen allergisch auf Bienenpollen.

 

Gebrauchsanweisung:

 

In einschlägigen Schriften wird empfohlen, bis zu 20 Gramm täglich zu nehmen. Ob diese Menge für jedermann ausreicht, kann vom Einzelnen selbst beurteilt werden. Es ist bestimmt besser, mit kleinen Portionen (etwa einem gehäuften Teelöffel) täglich zu beginnen und langsam zu steigern. Hier ist besonders an das biologische Grundgesetz von Arndt-Schulz zu denken, wonach starke Reize schädigen, blockieren und lähmen, mittlere Reize, wozu auch normale Ernährung gehört, im Indifferenzbereich bleiben und nur ganz schwache Reize stimulieren.

Körner: Ein gestrichener Kaffeelöffel mit Trockenpollen entspricht ca. 10 Gramm. Für Kinder wird ca. 10-15 Gramm täglich empfohlen und für Erwachsene beträgt die tägliche Menge ca. 20-40 Gramm. Die vorgesehene Menge zerkauen und mit einem Getränk schlucken. Die Bällchen mit Konfitüre, Honig, Joghurt oder Müesli mischen und gut kauen. Den Pollen in Milch, Tee oder einem Glas Honigwasser lösen und trinken.

Pulver: Die gewünschte Pulvermenge zum Frühstück z.B. in Müesli oder Porridge geben oder in Wasser sowie Obstsaft mischen und trinken. Dem Pulver einen Löffel Honig beimischen und dieses in homogener Lösung trinken. 

Kurdauer: 6 Wochen, in der Regel viermal im Jahr.